Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, IAO, hat eine Studie zum Thema Elektro-Mobilität 2025 veröffentlicht. Darin beschreiben die wissenschaftlichen Mitarbeiter Marius Brand, Martha Loleit und Steffen Braun vier verschiedene Szenarios, die aus Ihrer Sicht wahrscheinlich sind. Ich als Laie möchte natürlich nicht die wissenschaftlichen Ergebnisse in Frage stellen. Allerdings fehlt mir die naheliegendste aller Varianten. Aber dazu später mehr.

Als erstes Szenario wurde eine Welt definiert, in der die Verbrennungsmotoren noch immer stark dominant sind und Elektromobilität vorwiegend als komplementäre Antriebsunterstützung existiert. Dabei wird davon ausgegangen, daß die hohen Kraftstoffpreise und die teuren Elektrofahrzeug für die meisten Menschen nicht bezahlbar sind und darum der Individualverkehr massiv rückläufig ist. Hauptsächlich wird öffentlicher Nahverkehr genutzt.
Im zweiten Szenario geht man von einer Welt aus, die stark von ökologischen Gesichtspunkten geprägt ist. Im Zuge dessen hat sich die eine neuartige, vielfältige und situationsabhängige Mobilität vor allem in Städten und urbanisierten Regionen stark entwickelt. Bedeutet: »Grüne« Mobilität mit hohem Umweltbewusstsein, starke ökologische Regulierung, weniger Individualverkehr, stark genutzte Mobilitätsdienstleitungen wie car2go. Elektrofahrzeuge setzen sich “moderat” durch.
Das dritte Szenario ist von einem gewandelten Branchenverhältnis zwischen Automobliherstellern und Zulieferern gekennzeichnet. Überdies hat sich die Elektromobilität zu einem Massenphänomen entwickelt. Es gab einen Durchbruch der Elektromobilität: hohe Akzeptanz, hohe Nutzung, stark gesunkene Kosten. Jedoch werden klassische Ladesysteme hier durch »nicht-elektrisches« Laden ersetzt: So werden in diesem Szenario elektrisch geladene Flüssigkeiten getankt oder die leeren Batterien gegen volle ausgetauscht. Die Automobilhersteller haben in dem Szenario ihre Marktmacht verloren und die E-Fahrzeuge werden von anderen Firmen wie z.B. ehemaligen Zulieferern entwickelt.
Im letzten und vierten Szenario wurde angenommen, dass die Brennstoffzelle einen Boom erfährt. Aufgrund des gesellschaftlichen und technischen Wandels hin zu Wasserstoff und erneuerbaren Energien spielt im Jahr 2025 der Brennstoffzellenantrieb eine bedeutende Rolle mit steigender Tendenz. Elektromobilität setzt sich durch – aber mit der Brennstoffzelle als Antriebstechnologie. Batterien spielen aufgrund nur unzureichender Entwicklungsfortschritte eine untergeordnete Rolle.
Ich muss sagen: Keines der genannten Szenarios erscheint mir sonderlich plausibel. Vor allem fehlt mir hier ein wichtiges Szenario – und zwar das aus meiner Sicht naheliegendste.
Im fünften Szenario würde ich annehmen, dass die Entwicklung der Batterietechnologie weiterhin zügig vorangeht (Stichwort Kolibri-Batterie), die Automobilkonzerne bleiben technologische Vorreiter, die eigene Batteriezulieferfirmen gründen (so hat Daimler zusammen mit Evonik bereits die Deutsche ACCUmotive gegründet, die den smart fortwo electric drive mit seinem Energiespeicher ausstattet.) Die Elektromobilität wird durch ihre enorme Verbreitung bezahlbar. Ich gehe davon aus, daß die Ladeverfahren so verkürzt werden können, daß ein Fahrzeug in maximal einer Viertelstunde voll geladen werden kann (Volkswagen hat dazu bereits Prototypen gebaut). Jeder Haushalt hat eine Lademöglichkeit für ein E-Fahrzeug und es gibt E-Tankstellen mit komfortablen Wartebereichen. 10-15 Minuten Warteizeit sind unterwegs absolut überbrückbar.
smart ist mit dem electric schon sehr nah an diesem letzten Szenario, darum verstehe ich nicht, warum man das beim Fraunhofer-Institut völlig ausgeblendet hat.
Betrachtet man den rasanten technischen Fortschritt der Elektromobilität, kann man die erfolgreiche Zukunft des Elektroautos nur schwer in Frage stellen.
Am grundsätzlich verlustreichen Prinzips des Verbrennungsmotors wird seit mehr als 100 Jahren entwickelt, um die gegebenen Schwächen möglichst gut zu kompensieren. Wir befinden uns auf einem Höhepunkt der Motorenbaukunst, aber trotzdem wollen diese Maschinen nicht richtig effizient werden. Mal ganz abgesehen von den endlichen fossilen Rohstoffen, die für diesen Antrieb notwendig sind.
Betrachtet man dagegen die enormen Fortschritte des Elektroantriebes, die alleine in den letzten 5 Jahren gemacht wurden (man muss nur mal eine Runde mit der 3. Generation des electric drive fahren) muss man kein Prophet sein, um zu erkennen, wo die Elektromobilität in weiteren 10 Jahren stehen wird.
Übrigens: Wenn es andersherum wäre, und es gäbe nur Fahrzeuge mit sauberen, leisen Elektromotoren – und jemand würde vorschlagen, einen Verbrennungsmotor zu entwickeln, der mit kleinen, kontrollierten Explosionen und der Verbrennung von fossilen Brennstoffen für Vortrieb sorgt… man würde die Person für unzurechnungsfähig erklären.
Mein absoluter Favorit ist in diesem Zusammenhang der nachfolgende Werbespot – wenn auch die Idee dazu geklaut ist.
Hier kann man übrigens die oben genannte Studie einsehen: http://wiki.iao.fraunhofer.de/index.php/Szenarios_zur_Elektromobiliät_2025
UPDATE: Unser Leser Roland hat bei Google+ folgenden Kommentar hinterlassen und ich (David) möchte mich gern dazu äussern:
Soviel Unsinn in einem Artikel tut richtig weh. Besonders wenn er von einem “Forschungsinsitut” veröffentlicht wird.
Es wird wohl Szenario 5 zutreffen: Chinesische Elektroautos setzen sich auf breiter Front durch, weil die anderen Hersteller dachten, es genügt ein paar PR Gags zu zeigen.
Nach diesen Machwerk seht euch doch lieber ein Video an, wei es richtig gemacht wird.
Wir nehmen Kritik sehr ernst und freuen uns über Resonanz zu unseren Artikeln. Wie aus Roland´s Profil hervorgeht, haben wir es hier mit einem wahren Experten zum Thema Elektromobilität zu tun, wir sind Laien, die mit den Infos arbeiten, die wir durch Recherche zusammentragen können.
Das Fraunhofer Institut erschien mir bisher als recht vertrauenswürdig, obwohl auch hier natürlich gilt: Wer die Musik bezahlt bestimmt, was gespielt wird. Das unser Autor Thomas mit der Studie nicht konform geht, hat er im Artikel ja auch deutlich gemacht. Das einige Hersteller den Trend der Elektromobilität vollkommen verschlafen, oder lediglich “PR Gags” veröffentlichen, ist auch klar. Gerade die deutschen Hersteller wie VW, BMW und Audi scheinen kein Interesse am Vorantreiben dieser Technologie zu haben. Hier und da wird mal ein halb-durchdachtes Konzept gezeigt, oder ein 08/15-Auto mit nem Elektromotor vorgestellt.
Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Auch wenn der smart wohl für immer ein Nieschen-Dasein fristen wird, werden hier viele Ressourcen in das Thema Elektromobilität gesteckt. Der Mutterkonzern Daimler entwickelt an einigen Konzepten, wenn auch bisher nichts wirklich brauchbares herausgekommen ist, ist den Daimler-Jungs durchaus bewusst, welches Potential in der Elektromobilität steckt.
In meinen Augen werden die kleinen Hersteller wie mia, Tesla, Tazzari die Elektromobilität dominieren. Sobald die “Großen” merken, dass sich hier ein Markt entwickelt, werden Sie die kleinen Hersteller samt Know How aufkaufen und versuchen, sich auch im Elektro-Segment zu etablieren.
Der Hinweis, dass bis dahin chinesische Hersteller wie BYD den Markt dominieren, daran mag ich nicht so recht glauben. Experten mögen mir widersprechen, aber BYD ist vor einiger Zeit eine Kooperation mit Daimler eingegangen, einige der etablierten europäischen Hersteller werden den Markt mit Argusaugen beobachten und zuschlagen, sobald es sich für sie lohnt. Vielleicht bleibt der ein oder andere Hersteller auf der Strecke, aber die meisten Konzerne werden sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.
Im Übrigen, dass Video zeigt den Vice President von BYD, man darf ihn also auch gerne als befangen bezeichnen.
Die große Frage ist doch, sind Elektroautos reif für den Massenmarkt und ist der Massenmarkt reif für Elektroautos. Ich meine Nein. Elektroautos sind zur Zeit ausschließlich als Zweitwagen zu gebrauchen, auf Grund beschränkter Reichweite und langer Ladezeiten, von den Preisen mal ganz abgesehen. Und wie bereit der Markt ist, Elektroautos anzunehmen sieht man leicht, in dem man sich mit nem Elektroauto einfach mal auf einen Parkplatz stellt und auf die ersten Passanten trifft. Das Thema Elektrofahrzeuge trifft zur Zeit noch auf zu viel Skepsis, auf zu wenig Erfahrung und auf zu viele Vorbehalte. Und genau das wissen auch die Hersteller und warten erstmal ab. Aber nach meinem Gefühl wird die Elektromobilität bald im ganz großen Stil kommen. Vielleicht nicht 2013, vielleicht nicht 2014, aber sie wird kommen.

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Es gibt batterieelektrische Fahrzeuge schon länger als Verbrenner und wir haben es in über hundert Jahren nicht geschafft, für KFZ geeignete Batterien zu entwickeln. Wenn wir je eine gescheite Energieversorgung gehabt hätten, hätte niemand den Verbrenner erfinden müssen, denn E-Motoren sind Verbrennern in jeder Hinsicht überlegen. Wenn jemand so eine Energieversorgung baut, wird es auch Käufer geben. Absehbar ist so eine Technik derzeit nicht.
Du hast natürlich vollkommen Recht, das kam bei meinem Kommentar nicht ausreichend klar rüber. Elektrofahrzeuge werden ihren Siegeszug in meinen Augen erst starten können, sobald Akkus mit ausreichender Kapazität und akzeptablen Ladezeiten entwickelt wurden. Abgesehen davon muss auch eine Infrastruktur zum Laden der Autos aufgebaut werden. Danke für den Hinweis, ich bin wirklich gespannt, wie sich dieser Markt in den nächsten Jahren entwickeln wird.
So noch zu Deiner persönlichen Info: Ich habe in der letzten Zeit einige Forscher zur Batterietechnik interviewt, danach einige Experten von den Umweltschutzverbänden und dem Umweltbundesamt sowie von den Energiekonzernen. Auf gute Batterien wirst noch lange warten. Setzen wir lieber auf schlaue, intermodale Fortbewegung, langfristig menschlich gedachte Städtebaulösungen (die heutigen sind fürs Auto gedacht) und den bereits wahrnehmbaren Wandel der Gesellschaft (“Auto? Mir doch wurscht.”).
Wie stehen denn diese Forscher und Experten zu den im Artikel erwähnten Kolibri-Akkus? Wenn es ein kleines Start-Up schafft, mit einem selbstgebastelten Akku im umgebauten Audi A2 vollelektrisch die 600km von München nach Berlin ohne Zwischenstopp zu fahren, dann wird es doch die mächtige Autoindustrie erst recht schaffen. http://www.sonne-24.de/elektroauto/audia2umbauelektro/index.html
Die Dekra hat die Leistungsfähigkeit dieser Akkutechnologie zwischenzeitlich bestätigt. Und es ist eben nicht so, daß in den letzten 100 Jahren intensiv an der Akkutechnologie gearbeitet wurde – ganz im Gegenteil. Als sich die Verbrennungsmotoren aufgrund der sehr geringen Kraftstoffkosten durchsetzten, wurde der E-Motor samt Batterietechnik links liegen gelassen. Wirklich interessanter Film zum Thema: http://www.youtube.com/watch?v=E4EbhkmlaK8
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